Da wir im Geschichtsunterricht vor kurzem den 2. Weltkrieg und den
Nationalsozialismus durchnahmen, fuhren wir, die beiden Klassen Gy 10a
und R 10 der Humboldtschule, zur
Gedenkstätte Bergen-Belsen, wo 1940 ein Kriegsgefangenenlager für
600 französische und belgische Soldaten eingerichtet worden war.
Ab Juli 1941 wurden dort unter freiem Himmel ca. 20.000 sowjetische Kriegsgefangene zusammengepfercht. Von ihnen starben schon im folgenden Winter 18.000 an Hunger, Kälte und Krankheiten. Später übernahm die SS einen Teil dieses Lagers und funktionierte ihn zum KZ um. Es sollte ein "Aufenthaltslager" für Juden sein, um sie gegen Deutsche, die in Kriegsgefangenschaft gerieten, auszutauschen. Im Gegensatz zu Auschwitz war Bergen-Belsen nicht als Vernichtungslager geplant. Dennoch starben hier etwa 50.000 Häftlinge und dreißig- bis fünfzigtausend Kriegsgefangene, vor allem in den letzten Kriegsmonaten als Zehntausende aus frontnahen Konzentrationslagern nach Bergen-Belsen verlegt wurden. Mit der völligen Überfüllung begann ein Massensterben. Kurz nachdem britische Truppen am 15.April das Lager befreiten, mussten diese die Baracken wegen Seuchengefahr niederbrennen. Die Überlebenden wurden in den benachbarten Wehrmachtskasernen vorübergehend untergebracht. Bis 1950 dienten die Kasernen als DP-Camp (Displaced Persons => Heimatvertriebene). |
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| Im Dokumentenhaus, das 1960 eröffnet worden war, sahen wir zunächst einen Film, in dem Zeitzeugen über ihre schrecklichen Erlebnisse während ihrer KZ-Zeit berichteten. Wir bekamen dabei auch die Stätten des Grauens zu Gesicht, die nur noch andeutungsweise auf dem Gelände vorhanden sind und von Jugendlichen aus verschiedenen europäischen Ländern in Freizeitcamps seit 1991 freigelegt werden. |
Besonders
nahe ging uns das Schicksal des jüdischen Mädchens Anne Frank,
die 1933 mit ihrer Familie in die Niederlande emigrierte. Von 1942 bis
1944 hielten sie sich mit insgesamt acht Menschen in einem Amsterdamer
Hinterhaus versteckt. Über diese Zeit schrieb Anne in ihrem Tagebuch,
bis ihre Eintragungen dann am 1.August 1944 mit ihrer Verhaftung endeten.
Alle Entdeckten wurden zunächst nach Bergen-Belsen deportiert und
dort voneinander getrennt oder in andere Konzentrationslager wie Auschwitz
verlegt. Als ihr Vater nach dem Krieg in ihre Zuflucht zurückkehrte
und das Tagebuch bekam, beschloss, er, es an die Öffentlichkeit zu
bringen. In einem Film schilderte eine ehemalige Schulfreundin von Anne
Frank die entsetzlichen Lebensbedingungen, in denen Anne leben musste.
Da die Baracken nicht beheizt waren und Anne direkt neben der zugigen Tür
schlafen musste, war sie im Winter fast ungeschützt der Kälte
ausgesetzt, während die Kinder in der Mitte der Baracke sich gegenseitig
etwas wärmen konnten. Schließlich erkrankte ihre Schwester Margot
an Typhus und verstarb. Das sollte auch das Todesurteil für ihre Schwester
Anne bedeuten, die 14 Tage vor der Befreiung des KZs durch britische Truppen
ebenfalls an dieser Erkrankung verstarb. |
| Zum Abschluss unseres Besuches trugen wir uns noch in das Gästebuch der Gedenkstätte ein. Manche schrieben kurze Eindrücke über das Gesehene nieder andere unterschrieben einfach nur mit ihrem Namen. |
| Von Janna Stempel, 16 Jahre, Gy 10 a |