Gedenkstätte "Bergen-Belsen"

Da wir im Geschichtsunterricht vor kurzem den 2. Weltkrieg und den Nationalsozialismus durchnahmen, fuhren wir, die beiden Klassen Gy 10a und R 10 der Humboldtschule, zur Gedenkstätte Bergen-Belsen, wo 1940 ein Kriegsgefangenenlager für 600 französische und belgische Soldaten eingerichtet worden war. 
Ab Juli 1941 wurden dort unter freiem Himmel ca. 20.000 sowjetische Kriegsgefangene zusammengepfercht. Von ihnen starben schon im folgenden Winter 18.000 an Hunger, Kälte und Krankheiten. Später übernahm die SS einen Teil dieses Lagers und funktionierte ihn zum KZ um. 
Es sollte ein "Aufenthaltslager" für Juden sein, um sie gegen Deutsche, die in Kriegsgefangenschaft gerieten, auszutauschen. 
Im Gegensatz zu Auschwitz war Bergen-Belsen nicht als Vernichtungslager geplant. Dennoch starben hier etwa 50.000 Häftlinge und dreißig- bis fünfzigtausend Kriegsgefangene, vor allem in den letzten Kriegsmonaten als Zehntausende aus frontnahen Konzentrationslagern nach Bergen-Belsen verlegt wurden. 
Mit der völligen Überfüllung begann ein Massensterben. Kurz nachdem britische Truppen am 15.April das Lager befreiten, mussten diese die Baracken wegen Seuchengefahr niederbrennen. Die Überlebenden wurden in den benachbarten Wehrmachtskasernen vorübergehend untergebracht. Bis 1950 dienten die Kasernen als DP-Camp (Displaced Persons => Heimatvertriebene). 
Als wir Schüler am 9.12.1999 auf dem Gelände eintrafen, hörten wir plötzlich Schüsse, die sich auch weiterhin fortsetzten. Es berührte uns, dass quasi nebenan ein Nato-Übungsplatz eingerichtet worden war, wo regelmäßige NATO - Übungen stattfinden - ausgerechnet auf dem Gelände eines ehemaligen KZs.
Im Dokumentenhaus, das 1960 eröffnet worden war, sahen wir zunächst einen Film, in dem Zeitzeugen über ihre schrecklichen Erlebnisse während ihrer KZ-Zeit berichteten. Wir bekamen dabei auch die Stätten des Grauens zu Gesicht, die nur noch andeutungsweise auf dem Gelände vorhanden sind und von Jugendlichen aus verschiedenen europäischen Ländern in Freizeitcamps seit 1991 freigelegt werden.
Besonders nahe ging uns das Schicksal des jüdischen Mädchens Anne Frank, die 1933 mit ihrer Familie in die Niederlande emigrierte. Von 1942 bis 1944 hielten sie sich mit insgesamt acht Menschen in einem Amsterdamer Hinterhaus versteckt. Über diese Zeit schrieb Anne in ihrem Tagebuch, bis ihre Eintragungen dann am 1.August 1944 mit ihrer Verhaftung endeten. Alle Entdeckten wurden zunächst nach Bergen-Belsen deportiert und dort voneinander getrennt oder in andere Konzentrationslager wie Auschwitz verlegt. Als ihr Vater nach dem Krieg in ihre Zuflucht zurückkehrte und das Tagebuch bekam, beschloss, er, es an die Öffentlichkeit zu bringen. In einem Film schilderte eine ehemalige Schulfreundin von Anne Frank die entsetzlichen Lebensbedingungen, in denen Anne leben musste. Da die Baracken nicht beheizt waren und Anne direkt neben der zugigen Tür schlafen musste, war sie im Winter fast ungeschützt der Kälte ausgesetzt, während die Kinder in der Mitte der Baracke sich gegenseitig etwas wärmen konnten. Schließlich erkrankte ihre Schwester Margot an Typhus und verstarb. Das sollte auch das Todesurteil für ihre Schwester Anne bedeuten, die 14 Tage vor der Befreiung des KZs durch britische Truppen ebenfalls an dieser Erkrankung verstarb.
Zum Abschluss unseres Besuches trugen wir uns noch in das Gästebuch der Gedenkstätte ein. Manche schrieben kurze Eindrücke über das Gesehene nieder andere unterschrieben einfach nur mit ihrem Namen.
Von Janna Stempel, 16 Jahre, Gy 10 a

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